Adieu, Frau Kindergarten!

Irmgard Mitterpleininger geht nach 25 Jahren in St. Martin in Ruhestand
Am "Nautilus", einem beliebten Abenteuer-Treffpunkt der Kleinen, sagt Irmgard Mitterpleininger der Erziehungsstätte Adieu. Hier steht sie noch vor dem "U-Boot", jetzt taucht sie in den Ruhestand ab. −Foto: Buchberger
Am "Nautilus", einem beliebten Abenteuer-Treffpunkt der Kleinen, sagt Irmgard Mitterpleininger der Erziehungsstätte Adieu. Hier steht sie noch vor dem "U-Boot", jetzt taucht sie in den Ruhestand ab. −Foto: Buchberger

Reischach. Leise, wie es ihr Naturell ist, hat Irmgard Mitterpleiniger Abschied von "ihrem" Kindergarten genommen. Die Erziehungspädagogin, die fast ein Vierteljahrhundert die Geschicke des Katholischen Kindergartens St. Martin geleitet hatte, ist am gestrigen 30. Juni in den verdienten Ruhestand getreten.

Ihre Nachfolge tritt indes die Pleiskirchenerin Franziska Lehmann an, die zuletzt 16 Jahre lang in der Kindertagesstätte der Gemeinde Pleiskirchen in Nonnberg als stellvertretende Leiterin tätig war (der Anzeiger berichtete). Mitterpleininger, die aus Kirchanschöring (Landkreis Traunstein) stammt, war 1990 der Liebe wegen in die "Perle des Holzlandes" gezogen. Fünf Jahre später fand sie nach dem Um- und teilweisen Neubau des bisherigen Kindergartens bei dessen Träger, der Katholischen Pfarrkirchenstiftung Reischach, eine Anstellung.

 

"Es waren große Fußstapfen, in die ich getreten bin" Schon nach kurzer Zeit, im November 1996, hatte man ihr in der Nachfolge der Niederbronner Schwester Petra Maria Götz die Leitung des Kindergartens angetragen. "Das waren große Fußstapfen, in die ich getreten war", erinnert sich Mitterpleininger an die tüchtige Leiterin, die durch den Orden an einen anderen Wirkungsort abberufen wurde.

Das Glück und die Freude, in einem "wunderschönen Neubau" wirken zu dürfen, habe sich von Anfang an auf ihre Arbeit übertragen, erzählt sie. Viel Herzblut habe sie in all den Jahren eingebracht, dazu den nötigen Sachverstand gehabt und – natürlich − eine große Begeisterung für ihren Beruf, der schließlich zur Berufung wurde, verspürt. Dazu habe auch die gute Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeiterinnen beigetragen, betont sie. An die 1000 Kinder hatte Mitterpleininger in den Jahrzehnten in den verschiedenen Gruppen unter ihren Fittichen. Immer habe ein respektvoller Umgang mit dem Erziehungspersonal, den Eltern und den anvertrauten Kindern Vorrang gehabt, sagt sie. Im Lauf der Jahre wurde sie zur sprichwörtlichen "Frau Kindergarten".

Vermissen werde sie, neben der Kollegenschar, auf jeden Fall den Umgang mit den Kleinen. Deren Ehrlichkeit, Fröhlichkeit und Unverfälschtheit, dazu die Begier, Neues zu erfahren, habe sie immer beeindruckt und auch ihr Leben in gewisser Weise geprägt. Positiv geprägt habe sie aber auch die Zusammenarbeit mit ihrem Arbeitgeber. Ob anfangs der Ortsgeistliche Heribert Unterhuber (†2018), der sie eingestellt hatte, oder ab 2004 Pfarrer Ludwig Samereier: Mit beiden Geistlichen, aber auch mit den Kirchenpflegern Ludwig Demmelhuber und zuletzt Dr. Josef Brunner, habe ein großartiges Vertrauensverhältnis und ein angenehmes Arbeitsklima geherrscht, attestiert sie ihren Chefs. Sie habe beim Kindergartenträger immer Rückhalt verspürt und in allen Belangen ein "offenes Ohr" vorgefunden.

Ludwig Samereier selbst bezeichnet das Wirken Mitterpleiningers als "segensreich" für den Kindergarten und den Ort. Die Kindergartenleiterin habe er seit seinem Amtsantritt in Reischach vor 16 Jahren als sehr kooperativ, strukturiert und mit Verstand handelnd kennen und schätzen gelernt. Ihre Arbeit sei zum Wohl der Kinder, aber auch der Einrichtung geprägt gewesen. Er könne ihr nur ein herzliches "Vergelts Gott" mit in den Ruhestand geben.

Und die einkehrende Ruhe verschafft der ausgeschiedenen Leiterin neben einem weinenden Auge auch ein lachendes, kann sie doch jetzt Dinge tun, die lange hintangestanden hatten: In Kurztrips Deutschland und Europa erkunden, schwimmen gehen oder einfach nur ein gutes Buch lesen, steht ganz oben auf ihrer "To-do-Liste". Auch schwebt ihr vor, sich vermehrt gestalterisch oder künstlerisch zu betätigen, etwa durch das Malen von Bildern. Dass sie ihren Ruhestand richtig genießen kann, so resümiert Mitterpleininger, liegt auch im Wissen, dass mit ihrer Nachfolgerin der richtige Griff für die Einrichtung getan worden sei. Die Gespräche und die Einarbeitungszeit in den vergangenen Monaten verschafften ihr ein gutes Gefühl. "Und hoffentlich ist der Corona-Spuk bald vorbei und es kann wieder ein normaler Kindergartenbetrieb laufen", hofft sie. − mbu

 

(ANA vom 1.7.2020)