Reischacher Weihnachtskrippe wieder vollständig

Fehlende Szene "Maria Lichtmess" ergänzt – Pfarrer Ludwig Samereier erbat dafür am Samstag Gottes Segen
Mit Weihwasser besprengte Ortsgeistlicher Ludwig Samereier am Samstag die neu geschaffene Krippen-Szenerie. −Fotos: Buchberger
Mit Weihwasser besprengte Ortsgeistlicher Ludwig Samereier am Samstag die neu geschaffene Krippen-Szenerie. −Fotos: Buchberger

Reischach. Wieder eine komplette Weihnachtskrippe zu haben – so wie im Originalzustand –, war lange Zeit ein im wahrsten Sinne des Wortes frommer Wunschtraum der Pfarrei St. Martin und auch vieler Krippenfreunde: Jetzt ist dieser Traum Wirklichkeit geworden.

Seit Samstagvormittag kann auch die bisher fehlende siebte Krippenszene "Maria Lichtmess" nach sechs Jahrzehnten Abstinenz wieder in der Mariengrotte der Pfarrkirche St. Martin bewundert werden. In einer kleinen Feierstunde ist der vakante und nun wieder erschaffene letzte Krippenteil durch Pfarrer BGR Ludwig Samereier mit Weihwasser besprengt worden. Mit dabei waren rund ein Dutzend Gäste – Ehrenamtliche der Pfarrei, das Krippenaufbau-Team sowie der frühere Ortsheimatpfleger Alois Stockner mit seiner Ehefrau Irmengard.

Ohne ihn hätte es die Reischacher Weihnachtskrippe nicht mehr gegeben: Der frühere Ortsheimatpfleger Alois Stockner.
Ohne ihn hätte es die Reischacher Weihnachtskrippe nicht mehr gegeben: Der frühere Ortsheimatpfleger Alois Stockner.

"Für uns als Pfarrgemeinde ganz wertvoll"Großzügige Geldspenden einiger Reischacher Sponsoren, so Samereier in einführenden Worten, hätten es möglich gemacht, die Krippe wieder in den Urzustand zu versetzen. "Für uns als Pfarrgemeinde ist es ganz wertvoll, dass wir jetzt um diese Szene reicher sind".

 

Der Dank der Pfarrei gelte allen, die sich dafür eingebracht haben. Seinen Dank richtete Samereier aber auch an den früheren Ortsheimatpfleger, ohne den es die Reischacher Weihnachtskrippe, ein Geschenk des früheren Ortsgeistlichen Josef Straubinger († 1960) an die Pfarrei, nicht mehr gäbe. Straubingers Nachfolger Johann Nepomuk Schmöller († 1978) hatte keinen Wert mehr auf das "Kripperlzeug" gelegt, die sonst alljährlich aufgebaute Krippe kam in Vergessenheit und die wertvollen Krippensachen wurden teils vernichtet oder gingen durch Unachtsamkeit verloren, wie Stockner in seinem aufwendig recherchierten Beitrag in der Schriftenreihe "Öttinger Land" im Band 17 der Jahresfolge 1997 publizierte.

Manfred Gesierich, dem früheren Lehrer und heutigen Altbürgermeister und Reischacher Ehrenbürger ist es schließlich zu verdanken, dass die Kripperlbühne wieder zu neuem Leben erwachen konnte. In mühevoller Kleinarbeit hatte er, etwas später unterstützt von Pfarrer Heribert Unterhuber († 2018) und dem Maler Egid Maier, alles zusammengesucht, was von den einzelnen Krippensachen noch vorhanden und brauchbar war. Erstmals zur Weihnachtszeit 1968/69 gab es zumindest wieder zwei der Szenen, Christi Geburt und Heilige Drei Könige, zu bestaunen.

Gesierich und seine Helfer hatten dabei Glück: Stockner, ein glühender Verehrer und häufiger Besucher der Anfang der 1930er-Jahre von Dr. Otto Ellenrieder, dem "Kripperldoktor von Hauzenberg" geschaffenen Krippe, hatte sich alle sieben Krippen-Szenen von Kindesbeinen an im Gedächtnis bewahrt und aufgezeichnet. Es dauerte rund ein halbes Jahrhundert, bis weitere Szenen, in jüngster Vergangenheit etwa die "Flucht nach Ägypten", beschrieben im Anzeiger vom 30. November 2018 unter der Überschrift "Als das Jesuskind ein ,Waidler‘ war", nach Stockners Gedächtnisprotokoll realisiert werden konnten. Vor allem dem mittleren Teil der Maria Lichtmess-Szene habe jetzt das Augenmerk gegolten, erklärt Egid Maier in der "Lourdesgrotte". Das Geschehen zeigt Jesus vor einem kleinen Kirchlein, davor die Engel, das Evangelium in die Welt tragend – an dem greisen und im Buch lesenden Simeon vor dessen Hütte und weidenden Schafen vorbeiziehend. Mit Hilfe einiger Sponsoren sei es möglich gewesen, die Lindenholzschnitzwerke – Jesus und die sieben Engel – von einer namhaften Schnitzer-Familie aus dem Südtiroler Grödner-Tal zu erwerben.

"Alle Achtung, dass Ihr das wieder hingebracht habt!" "Alle Achtung, dass Ihr das wieder so hingebracht habt", zollte Stockner dem kleinen Aufbau-Team Respekt. Während alle anderen Gebäude und Figuren der Szene noch aus der Ursprungszeit stammen, ist es vor allem das neu geschaffene hölzerne Kirchlein, das nicht nur Stockner in Staunen und Bewunderung versetzte. Der Erbauer, der anonym bleiben möchte, hatte das Gotteshaus filigran und mit viel Liebe zum Detail in unzähligen Stunden, dazu mit Innenleben, etwa Kirchenbänken und Kruzifix, geschaffen – und mit Reischach-Bezug: Mit Ausnahme des spitzen Kirchturms hatte dem Erbauer die kleine Marien-Kapelle an der Ortsdurchfahrt Modell gestanden.

Doch schon bald, so die Ankündigung, werde der jetzige Turm einer Zwiebelform, wie am alten Kirchlein vorhanden, weichen müssen. Zu bewundern ist die neue Krippen-Szene noch bis zum Beginn der Fastenzeit ab Aschermittwoch, 26. Februar, – täglich bis zirka 17 Uhr.

Damit endet die Reischacher Kripperl-Zeit aber noch nicht. Erst mit der "Heiligen Familie in Nazareth", zu betrachten bis Ende Februar/Anfang März, schließt sich der Vorhang der überaus wertvollen und einzigartigen Kleinbühne auf dem Altartisch der nördlich an die Pfarrkirche angebauten Lourdes-Kapelle.

Die sieben Szenen...der Reischacher Krippe:
1. Maria Verkündigung.
2. Die Herbergssuche.
3. Die Geburt Christi im Stall von Bethlehem.
4. Die Huldigung der Hl. Drei Könige.
5. Die Flucht nach Ägypten.
6. Maria Lichtmess.
7. Die Heilige Familie in Nazareth.

 

(ANA vom 3.2.2020)