Seelsorgerische Verstärkung im Pfarrverband

Benjamin Bößenroth als neuer Ständiger Diakon in Reischach – Ziel: Freude am Glauben vermitteln
Im Seelsorger-Team willkommen geheißen wird Benjamin Bößenroth (Mitte) von Pfarrer Ludwig Samereier (rechts) und Pfarrvikar Kumar Yangaladasu vor der Pfarrkirche St. Martin. −Foto: Buchberger
Im Seelsorger-Team willkommen geheißen wird Benjamin Bößenroth (Mitte) von Pfarrer Ludwig Samereier (rechts) und Pfarrvikar Kumar Yangaladasu vor der Pfarrkirche St. Martin. −Foto: Buchberger

Reischach. Seelsorgerische Verstärkung ist beim Pfarrverband Reischach eingetroffen: Seit wenigen Wochen betreut mit Benjamin Bößenroth ein zusätzlicher geistlicher Mitarbeiter die zahlreichen "Schäfchen" des Pfarrverbandes mit seinen fünf Pfarr- und Filialgemeinden.

Bößenroth ist am 9. November gemeinsam mit zwei weiteren Männern von Bischof Stefan Oster in der Pfarrkirche St. Konrad in Passau-Hacklberg zum Ständigen Diakon geweiht worden – im Nebenberuf. Der frisch geweihte Diakon, 1981 in Fulda (Hessen) geboren und in Neubeuern bei Rosenheim aufgewachsen, ist verheiratet, Vater zweier Kinder, Michael und Noah, und im Hauptberuf IT-Projektleiter in einem Mühldorfer Software-Haus.

 

Zölibat nicht zwingend, Amt mit Familie vereinbar

Beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965), einberufen von Papst Johannes XXIII, war die Besonderheit des Amtes verankert worden: Der Zölibat ist nicht zwingend und es ist mit Zivilberuf und Familie vereinbar. Mit seiner Weihe zum Ständigen Diakon darf Bößenroth nun taufen, Trauungen halten, predigen und in der Seelsorge mitarbeiten. Dabei werde ihn, so betont er gegenüber dem Anzeiger, als "Diener" oder "Helfer", das sich vom griechischen Wort "diakonos" ableitet, sein Weihe-Wahlspruch begleiten: "Ich will meinem HERRN singen in meinem Leben, meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin". Lange und intensiv habe er sich auf seinen "großen Tag" und den zukünftigen Dienst vorbereitet. Volle Unterstützung auf den Weg dorthin habe er von seiner Familie, vor allem seiner Ehefrau Viktoria erfahren. Gerade sie habe – wenn auch anfangs ablehnend – letztlich mit Freude und Zustimmung auf seine Entscheidung zum Ständigen Diakonat reagiert und ihn im starken Maß ermutigt.

Begonnen hat sein Weg zum Diakonat bereits vor zehn Jahren, erinnert er sich. Gemeinsam mit Viktoria, damals noch seine Freundin, sei der Gedanke in Taizé in ihm gereift. Beide hatten damals in dem kleinen ostfranzösischen Ort nahe Cluny, der als Symbol der ökumenischen Bewegung gilt, an einem europäischen Jugendtreffen teilgenommen. "Dort wurde mir bewusst, dass ich irgendetwas in meinem Leben vermisse". Es sei das Gefühl gewesen, das er aus der Kindheit kannte –"bedingungsloses Vertrauen und angenommen sein" konkretisiert er es. Er habe für sich dort das Gebet formuliert: "Gott, mach mich zu deinem Werkzeug".

Nach der Rückkehr sei es dann zum kirchlichen Engagement gekommen: Über das gemeinsame Musikspielen – er Gitarre, sie Querflöte – habe man schließlich den Weg von einem Jugendgebetskreis im oberösterreichischen Braunau über den Sponti-Chor in der Pfarrei "Zu unserer Lieben Frau" in Burghausen ins Familiengottesdienst-Team und in die Öffentlichkeitsarbeit gefunden. Nach einem Aufenthalt in Brasilien und dem Kennenlernen der dortigen Arbeit von Diakonen hatte sich das Engagement der beiden auf die Flüchtlingsarbeit und die liturgischen Dienste erweitert. Schließlich wurde Bößenroth Kantor in Burghausen. Sein Weg zum Diakonat führte ihn schließlich über ein Praktikum im Pfarrverband Neuötting-Alzgern und eines solchen in der Krankenhausseelsorge ins Holzland nach Reischach – den Ort, den sich das Ehepaar vor über zwei Jahren als seine neue Heimat auserkoren hatte.

"Mit offenen Armen" aufgenommen worden Fünf Stunden wöchentlich wird Bößenroth nun neben seinem Vollzeitjob als Diakon im Pfarrverband wirken. Mit "offenen Armen" sei er dort von Pfarrverbandspfarrer BGR Ludwig Samereier und dem gesamten Team aufgenommen worden, freut er sich, der sich in seiner Berufung als "Brückenbauer in einer bunten und fröhlichen katholischen Kirche" sieht. "Meine Vision ist es, dass ich als Diakon meinen Mitmenschen diese Freude am Glauben näherbringen kann". Seine ersten Einsätze im Pfarrverband hat Bößenroth indes bereits hinter sich, hat etwa Krankenbesuche durchgeführt, einen Vortrag beim Männer-Einkehrtag gehalten und Andachten gestaltet.

Gerade in der Adventszeit sei es wichtig zu zeigen: "Kirche ist draußen – nicht nur im Gebäude", betont er. Alles was die Kirche nicht mehr so erreiche, wo die Kontakte verloren und Gräben entstanden seien, sehe er in seinem Aufgabenspektrum – eben den "Dienst bei den Leuten". Bei aller Begeisterung für sein neues Amt: Es gelte stets die richtige Balance zwischen Familie, Arbeitsstelle und Diakonat zu finden - und dieses Gleichgewicht niemals aus den Augen zu verlieren.

(ANA vom 20.12.2019)