Pestheiliger Sebastian: Heute aktueller denn je

Jahresfest der Bruderschaft im kleinen Rahmen
Als neues Mitglied wurde Irene Antes (Mitte) von Bischöflich-Geistlichem Rat Ludwig Samereier (links) und Maria Werkstetter als Vorsitzender der Sebastianibruderschaft Endlkirchen begrüßt. −Fotos: Hochhäusl
Als neues Mitglied wurde Irene Antes (Mitte) von Bischöflich-Geistlichem Rat Ludwig Samereier (links) und Maria Werkstetter als Vorsitzender der Sebastianibruderschaft Endlkirchen begrüßt. −Fotos: Hochhäusl

Endlkirchen. Es gibt viele Parallelen zwischen der Pest im Mittelalter und der derzeitigen Corona-Pandemie: Dies hat Bischöflich Geistlicher Rat Ludwig Samereier beim Jahreshauptfest der Endlkirchener Sebastianibruderschaft herausgestellt. Doch trotz aller Widrigkeiten sollte der Blick mit viel Mut, Optimismus und Gottvertrauen nach vorne gerichtet werden. Dies sei wichtiger, als mit den derzeitigen Einschränkungen zu hadern.

Das Jahreshauptfest feiern die Mitglieder normalerweise mit einem Gottesdienst in der voll besetzten Kirche, einer Prozession, dem Verkauf von "Sebastianipfeilen" und einem Konvent im Gasthaus. Doch in diesem Jahr ist alles anders: Nur eine begrenzte Anzahl von Mitgliedern konnte den Festgottesdienst besuchen, alle anderen Aktivitäten sind entfallen. Eingangs des Gottesdienstes verglich Pfarrer Ludwig Samereier die derzeitige Pandemie mit den Zeiten, in denen die Pest Angst und Schrecken verbreitet hatte. Man könne sich jetzt leichter vorstellen, mit welchen Ängsten unsere Vorfahren leben mussten. In diesen Notzeiten wurde der Heilige Sebastian als "Pestheiliger" angerufen. Dieser wurde in Mailand geboren und diente als Soldat unter Kaiser Diokletian. Dieser verurteilte ihn zum Tode, da er den Kaiser wegen dessen Christenverfolgung kritisierte. Die erste Hinrichtung, dem Erschießen mit Pfeilen, überlebte Sebastian. Nach einer weiteren Verurteilung wurde er mit Keulen erschlagen und wurde in Rom begraben. Im Mittelalter wurden Gebeine des Heiligen nach Ebersberg gebracht und dort entstand ein Zentrum der "Sebatiani-Verehrung". Von dort stammt auch die Reliquie, in dessen Besitz die Filialkirchenstiftung Endlkirchen ist.

 

Auf Darstellungen ist der Heilige Sebastian immer mit Pfeilen dargestellt, so auch auf der Vortragestange, der Fahne und einer weiteren Figur in der Filialkirche Endlkirchen.

In seiner Festpredigt erinnerte Samereier auch an die Pestzeiten in der hiesigen Region. Der im Vorjahr verstorbene Kreis- und Ortsheimatpfleger Alois Stockner hat dazu erforscht, dass im Jahr 1649 allein in Erlbach 261 Pesttote innerhalb von neun Monaten zu beklagen waren. Diese wurden auf Pestfriedhöfen in Petzenthal, Endlkirchen, Gehersdorf und Gumpersdorf beigesetzt. Eine Cholera-Epidemie forderte 1743 in Reischach 161 Todesopfer, in Ecking wurde im Jahr 1800 durch eine "Kopfgrippe" ein Fünftel der Bewohner hinweggerafft.

Aus Stockners Forschungen geht auch hervor, dass das Betreten von Häusern, in denen die Pest herrschte, unter Todesstrafe verboten war. Musste ein Toter abtransportiert werden, haben die Bewohner dies mit Feuer- oder Rauchzeichen kundgetan. Die Sterbesakramente wurden, wenn noch möglich, mit langen Holzstäben verabreicht. Eine Bekämpfung der Seuche war damals noch nicht möglich. Im Vergleich dazu erscheinen die derzeitigen Ausgeh- und Abstandsregeln als harmlos, so der Ortspfarrer.

Doch das Christentum ist aus diesen Katastrophen gestärkt hervorgegangen. In diesen Notzeiten sind viele Bruderschaften entstanden, die sich um die Bestattung der Toten und um caritative Hilfe für die Ärmsten kümmerten. Samereier appellierte an die Mitglieder der Sebastianibrunderschaft, die derzeitigen Einschränkungen mitzutragen und mit Optimismus, Zuversicht und Gottvertrauen in die Zukunft zu schauen.

Bei diesem Gottesdienst wurde auch der vier im letzten Jahr verstorbenen Mitglieder gedacht. Mit Irene Antes konnte ein neues Mitglied aufgenommen werden. Abschließend erteilte Pfarrer Ludwig Samereier den Segen mit der Sebastiani-Reliquie. − hok

 

(ANA vom 20.01.2021)

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