"Ich weiß, wo ich hingehe"

Pfarrer BGR i.R. Heribert Unterhuber wurde auf dem Reischacher Friedhof zu Grabe getragen

Nur noch Stehplätze bekamen viele Besucher des Requiems für Heribert Unterhuber: Die Kirche St. Martin konnte die vielen Besucher kaum fassen. −Fotos: Buchberger Nur noch Stehplätze bekamen viele Besucher des Requiems für Heribert Unterhuber: Die Kirche St. Martin konnte die vielen Besucher kaum fassen. −Fotos: Buchberger

Ein Bild des Verstorbenen war am Altar aufgebaut. Daneben: Ein Messkelch als Symbol seiner langjährigen Priestertätigkeit und ein Hobel, der Unterhubers ersten Beruf versinnbildlichte: Den des Schreiners. Ein Bild des Verstorbenen war am Altar aufgebaut. Daneben: Ein Messkelch als Symbol seiner langjährigen Priestertätigkeit und ein Hobel, der Unterhubers ersten Beruf versinnbildlichte: Den des Schreiners.

Reischach. Überaus viele Menschen haben am Mittwoch der Trauerfeier für den früheren Reischacher Ortsgeistlichen Heribert Unterhuber in der Pfarrkirche St. Martin beigewohnt. Der Ruhestands-Priester war wie berichtet am Allerseelentag im Alter von 83 Jahren einer heimtückischen Krankheit erlegen.

Viele Trauergäste mussten beim Requiem, das der Neuöttinger Dekan Heribert Schauer zelebrierte, mit einem Stehplatz im Gotteshaus Vorlieb nehmen. Neben einer Vielzahl früherer Weggefährten Unterhubers aus dem Landkreis sowie Generalvikar Dr. Klaus Metzl, als Vertreter der Bistumsleitung, begrüßte Schauer zum Trauergottesdienst, der nach Unterhubers Wunsch ein "Auferstehungsgottesdienst" sein sollte, auch Vertreter des öffentlichen Lebens und mehrere Fahnenabordnungen christlicher und weltlicher Vereine.

Er hatte alles für sein Sterben vorbereitetUnterhuber habe alles für sein Sterben vorbereitet, sagte der Dekan eingangs. So habe er das Sterbebild selbst gestaltet und die Lieder für das Requiem zu Lebzeiten noch selbst ausgesucht. Extra ausgewählt hatte sich der verstorbene Geistliche auch seine Trauer-Prediger: Religionslehrerin Theresia Demmelhuber und den langjährigen Gemeindereferent Konrad Raischl, zu denen Unterhuber eine besonders enge Bindung hatte, waren die Worte vorbehalten.

Theresia Demmelhuber nannte Unterhuber einen "ganz Großen in seiner Bescheidenheit, seinem Demütigsein und in seiner Einfachheit". Oft habe ihm ein Butterbrot mit Schnittlauch zum Abendessen gereicht. "Dieses Beispiel lässt sich auf sein ganzes Mensch- und Priestersein übertragen". Er habe eigentlich immer nur der einfache Pfarrer in der Mitte seiner Pfarrangehörigen sein wollen. Unterhuber habe nie hören wollen, wie viele Kirchen er renoviert habe, sondern nur sehen wollen in welchen Bereichen des kirchlichen Lebens die Menschen mit eingebunden gewesen seien, sagte sie.

Konrad Raischl brachte die Geschichte des Zöllners Zachäus aus dem Neuen Testament, der von Jesus hörte, ihn unbedingt sehen wollte und dafür wartend auf einen Baum geklettert war. Unterhuber habe sich jeden Tag bemüht, solch ein Wartender, ein Hörender, ein Sehender, ein stiller Beter zu sein und sich in die Gegenwart Gottes zu stellen. Um diese Begegnung sei es ihm stets gegangen und diese auch den Menschen zu ermöglichen. Dies sei sein Ziel als Priester und Seelsorger gewesen. "Ich finde, er hat es gut gemacht", so seine Worte.

Heribert Unterhuber sei ein Pfarrer gewesen, wie ihn sich die Menschen in einer Pfarrgemeinde nur wünschen", würdigte Generalvikar Dr. Klaus Metzl das Wirken des Verstorbenen. Von Jugend auf fest im Glauben verbunden und mit christlichen Traditionen vertraut, sei er zugleich weltoffen und den Menschen nah gewesen. Er habe es immer verstanden, die Zeichen der Zeit im Lichte des Evangeliums für die gegenwärtigen Herausforderungen glaubwürdig zu deuten.

Ludwig Demmelhuber, 26 Jahre Unterhubers Wegbegleiter als Reischacher Kirchenpfleger, würdigte den Verstorbenen als "großen Kirchenmann", der bis zu seinem Abschied im August 2004 für den Pfarrverband sehr viel geleistet und zum Guten verändert habe. Demmelhuber nannte eine Reihe von Maßnahmen, die der Geistliche in Angriff genommen hat, etwa die Renovierungen der neun Kirchen im Pfarrverband oder den Um- bzw. Neubau des Pfarrheims und des sog. Priesterhauses. Auch der Aufbau des Kindergartens und die stetige Erweiterung der Ambulanten Krankenpflege habe ihm sehr am Herzen gelegen.

Für die politische Gemeinde Reischach ergriff Bürgermeister Alfred Stockner das Wort. Unterhubers große Verdienste und sein unermüdliches Wirken seien es gewesen, deretwegen ihm 2000 die Ehrenbürgerwürde zuerkannt wurde. Stockner nannte unter anderem den günstigen Baugrund, der im Wege der Erbpacht von den Pfarrpfründen vermittelt worden war. Unterhuber hätte auch im Pfarrheim Räume für Jung und Alt vorgehalten und damit die Kommune entlastet. Mit seiner Unterstützung, seinem Tatendrang, seinem Weitblick und seinen Visionen habe Unterhuber wesentlich zur guten Entwicklung Reischachs beigetragen, betonte Stockner. "Gemeinde und Vereine danken Ihnen, lieber Pfarrer Unterhuber, für alles".

Ein Mann der Mitte, der auch anpacken konnte Ortsgeistlicher Ludwig Samereier würdigte seinen Vorgänger als einen Mann wie einen Baum, einen Mann der Mitte und einen Mann der Hände. Unterhuber habe anpacken können. Aus einem reichen Wurzelwerk – seiner Familie – habe er die Kraft gezogen, vor allem aber auch aus dem Gebet, sagte er. Unterhuber habe sich vielfach eingesetzt, etwa für die Reischacher Krippe, die Ölbergandachten oder die Schülergottesdienste. Samereier lobte auch dessen gute Kontakte zu den Ministranten. Nach deren Erzählungen sei es für sie "das Größte gewesen", wie sie mit dem Pfarrer im Wohnzimmer eine Zigarre geraucht hätten. Auch zu ihm, Samereier, hätte er bei der Amtsübergabe einen guten Rat parat gehabt: "Weißt du, wenns nimmer geht, dann trinkst halt ein Weißbier!" Heribert Unterhuber habe dem Rahmen seines Lebens seinen ganz eigenen Inhalt gegeben, sagte Samereier.

Persönliche Worte für den Verstorbenen sprach schließlich noch dessen ehemaliger Studienkollege und Freund Pfarrer i.R. Georg Ebertseder. Er habe Unterhuber etwa zwei Wochen vor dem Tod im Altenheim noch besucht, sagte er. Obwohl körperlich bereits von der Krankheit schwer gezeichnet, habe er bei seinem Freund "leuchtende Augen" gesehen. Er hätte keine Angst vorm Sterben, habe dieser ihm gesagt: "Ich weiß, wo ich hingehe". Schließlich dankte Heribert Schauer dem Verstorbenen für seine Verdienste als Ruhestandspfarrer im Dekanat und in der Stadtpfarrei Neuötting. Er würdigte Unterhuber als einen angesehenen und äußerst engagierten Pfarrer.

Seine letzte Ruhestätte fand Heribert Unterhuber im Ort seiner langjährigen Tätigkeit: Im Priestergrab des Reischacher Friedhofs. − mbu

 

(ANA vom 09.11.2018)