Die Kirche im Dorf bauen

Kaplan Kumar Yangaladasu startet Projekt "Kirche im Dorf" – Indischer Bischof am Sonntag zu Gast

Startet das Projekt "Kirche im Dorf": Reischachs Kaplan Kumar Yangaladasu. − F.: mbu Startet das Projekt "Kirche im Dorf": Reischachs Kaplan Kumar Yangaladasu. − F.: mbu

Reischach. Knapp drei Jahre sind es her, dass Kaplan Kumar Yangaladasu im Pfarrverband Reischach sein pastorales Wirkungsfeld als Pfarrvikar übernommen hat. Abgelöst hatte der Inder damals seinen Landsmann Pater Kishore Reddy Gade, der nach sechs Jahren seines Wirkens im Holzland im asiatischen Heimatland neue Aufgaben übernommen hat. Jetzt hat der 36-jährige Diözesanpriester Yangaladasu ein Hilfs-Projekt gestartet, das durch Spenden den Bau einer Kirche in seiner Heimatpfarrei Kotapadu im Bundesstaat Andhra Pradesh, im Südosten Indiens, ermöglichen soll.

Kompetente Starthilfe wird der durch seine zugängliche Art fest im Dorfgeschehen eingebundene Geistliche dabei am Sonntag erhalten: Joseph Raja Rao Thelegathoti, Diözesanbischof von Yangaladasus Heimatbistum Vijayawada, wird beim Gottesdienst um 10.15 Uhr in der Pfarrkirche St. Martin anwesend sein und die Messe konzelebrieren. Der hohe Würdenträger ist am 19. Dezember 2015 von Papst Franziskus zum Bischof der dortigen Diözese ernannt worden, die Weihe ist am 2. Februar 2016 erfolgt. Auf der Suche nach Missionshilfe, die den Oberhirten durch Deutschland und mehrere europäische Länder führt, kommt der 66-Jährige auch auf Stippvisite ins Holzland. Er erhofft, durch die Europatour den Kirchenbau und verschiedene katholische Glaubensprojekte in seiner Heimat, deren Bevölkerung zu über 90 Prozent hinduistisch geprägt ist, vorantreiben zu können.

Wie der Pfarrvikar, der Pfarrer Ludwig Samereier seit 2015 in der Sakramentenpastoral unterstützt, der Heimatzeitung berichtet, sei der Pfarrverband Kotapadu erst vor acht Jahren gegründet worden – gut 2000 Katholiken lebten dort und würden in kleinen Filialkirchen seelsorgerisch betreut. Er plane jetzt für den bisher kirchenlosen Hauptort Kotapadu mit dem Bau einer "St Joseph-Kirche" für die rund 500 dort lebenden Katholiken das Projekt "Kirche im Dorf" zu starten.

Die meisten der Einwohner seien "Dalits" – sie gehörten als Nachfahren der indischen Ureinwohner niedrigen Kasten an und würden in der Politik daher nur eine geringe Rolle spielen, so Yangaladasu. Obwohl gerade die arme Bevölkerung nach der indischen Verfassung Unterstützung erfahren sollte, würde diese auf dem Land allerdings immer noch unterdrückt. Die Menschen – in aller Regel Tagelöhner – seien sehr arm und besäßen weder Eigentum noch eine richtige Wohnung.

Auf der Strecke blieben dabei auch die Kinder: Nur 60 Prozent hätten die Möglichkeit eines Schulbesuches. Nach der Schulausbildung erwarte sie in aller Regel die Feldarbeit – eine Berufsausbildung sei nur in den seltensten Fällen möglich, weiß Yangaladasu aus eigener Erfahrung zu berichten.

Halt würde den Katholiken in der Region, etwa 1,5 Prozent der Gesamtbevölkerung, der einfache aber tiefe Glaube zu Gott geben – freilich ohne jegliche Logistik, wie er sagt. Gottesdienste, Feste und Veranstaltungen oder auch Gebetskreise würden unter freiem Himmel abgehalten. Ein Kirchenbau mit einem Pfarrsaal könnte den Gläubigen viele neue Chancen bieten, so auch einen geregelten Religionsunterricht für die Kinder. Die Kirche würde so zu einem zentralen Ort für die Entwicklung des Dorfes werden und könnte die Lebenssituation der Menschen nachhaltig verbessern, so Yangaladasu.

Die Möglichkeit, sich über die Lebensumstände und kirchlichen Projekte in seiner indischen Heimat am Golf von Bengalen zu informieren, gibt es am Dienstag, 7. Juni. Der Geistliche lädt dazu um 19.30 Uhr die gesamte Bevölkerung des Pfarrverbandes zu seinem Vortrag im Pfarrheim Reischach ein.
Näheres zur Spendenmöglichkeit ist im Internetauftritt des Pfarrverbandes Reischach zu erfahren oder kann im Pfarrbüro erfragt werden, so der Hinweis der Pfarrei. − mbu

 

(ANA vom 18.05.2018)